Dem Puppendoktor über die Schulter geschaut

Wenn Heinz Backes Puppen in die Hände nimmt, dann geht es denen meist an den Kragen. Doch Backes will nichts Böses. Denn er ist der Puppendoktor.

puppendoktorBackes sieht viele Patienten heute. Diese hier ist dunkelhäutig, schon etwas älter. „Ihre Augen haben sich verfärbt“, berichtet die Puppenmutter. Backes nimmt die kleine Puppe entgegen – und in der Tat, sie strahlt ihn mit feuerroten Augen an. „Das ist fürchterlich! Die Kinder haben richtig Angst vor ihr“, berichtet die Besitzerin. Ein Fall für den Puppendoktor. Backes kennt sich aus – er hat mit diesem Beruf seine Profession gefunden, reist seit 20 Jahren durch die Republik und behandelt Patienten. Manchmal gehört dazu, den Puppenbesitzern ebenso viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie ihren Puppen. Manchmal geht es doch recht rapiat zu.

„Ich behandle ja nicht nur“, erklärt Backe. „Ich habe auch jede Menge Wissen rund um das Thema – das hilft.“ Und in der Tat: Zur Puppe kann er direkt alle wichtigen Dinge aufzählen: Hersteller, Zeitraum, dass er für sie keine originalen Augen mehr finden wird. „Das Problem verfärbter Augen kommt häufig vor“, erklärt er der Dame mit dem Problempatienten. „Das bekommen wir hin!“

Er greift zu Schere, Skalpell, Spreizer. Schaut man in seine Werkzeugtasche könnte man Backes auch für einen Chirurg halten.
Vorsichtig trennt er den Kopf vom Körper, erwärmt ihn dann, operiert sorgfältig die Augen heraus. Aus einem schier unendlich scheinenden Vorrat sucht er zwei neue Augen hervor. „Die sind zu klein, aber das wird passen“, sagt er. „Gehen Sie ruhig eine Runde – ich bin in 30 Minuten fertig.“ Die Frau schaut ihn etwas skeptisch an – wie eine verunsicherte Mutter, die ihr Kind vor dem OP-Saal allein lassen muss. Schließlich lächelt sie. „In Ordnung – bis gleich!“

Backes hat die Ausstrahlung eines Kinderarztes aus alten Heimatfilmen. Graue Haare, tiefe Augen und dieses Lächeln, das sagt: Sie können mir vertrauen!
Er holt unter dem Tisch Füllstoff, bastelt, erwärmt noch einmal, setzt ein, fügt wieder zusammen. Ein paar Minuten später ist der Rote Star besiegt, die Puppe schaut aus wunderschönen, neuen braunen Augen. So, als wäre nie etwas gewesen.

Der Puppen-Doktor hält während der gesamten CREATIVA in Halle 7, Stand 7.A60 Sprechstunde. Sie können ihm kleine und größere Problempuppen vorstellen, welche nach Möglichkeit gegen eine geringe Gebühr (abhängig vom Schaden) direkt vor Ort kuriert werden. Schwerere Fälle nimmt Backes in seine Puppenklinik für spätere Reparaturen auf.