Kultur und Hoffnung auf 8 mal 8 Zentimetern


Das Sticken ist ein altes Handwerk, das wahrscheinlich in China entstand und auch bei den Ägyptern und Indern bereits angewandt wurde. Die Verzierung von einfachen Nähten zu kunstvollen Ornamenten, das Aufbringen von Bildern mit Nadel und Faden ist eine Kunst, die auch heute noch in unterschiedlichsten Formen ausgeübt wird. Während dem Sticken in Deutschland eine gewisse „Staubigkeit“ nachgesagt wird, da sich scheinbar eher ältere Damen damit befassen, während sie gemütlich beieinander hocken, ist dieses Handwerk an anderen Orten der Welt eine Form des Broterwerbs.

In den Jahren des Krieges in Afghanistan wurde die Kunst des Stickens sehr vernachlässigt, doch das Stickprojekt Laghmani lässt sie wieder aufleben. Frauen, deren Selbstbewusstsein in vielen Jahren unter Talibanherrschaft, Kriegswehen und Verlust gelitten hat, bekommen in diesem Projekt die Möglichkeit, etwas Eigenes zu schaffen. Der Verkauf der Waren trägt zu ihrem Familieneinkommen bei und stärkt die Rolle der Frau im Allgemeinen. In mehreren Stunden sticken diese Frauen kleine Quadrate (8 mal 8 cm).

Mehr als 200 Frauen sticken inzwischen in Laghami, das ca. 60 Kilometer von Kabul entfernt liegt. Die gestickten Quadrate werden den Frauen regelmäßig abgekauft und nach Europa zur Weiterverarbeitung gebracht. Dort können sie mit anderen Textiltechniken kombiniert, als Blickfänger eingearbeitet und als Symbol sich verbindender Kulturen eingesetzt werden. Die Erlöse werden in das Laghami-Projekt und in ähnliche Vorhaben investiert.

Pascale Goldenberg hat durch ihre Kritik und ihre Hinweise das kaufmännische Selbstbewusstsein der Frauen stärken können, die sich nun des Wertes ihrer Arbeiten bewusst sind. Sie hat eine Ausstellung mit 221 Stücken organisiert, die in ganz Europa zu sehen war. Auf der CREATIVA wird sie die Europäische Wanderausstellung Afghanistan Inspiration präsentieren. Wir freuen uns auf Euren Besuch in Halle 5.