„Lassen Sie Kinder kreativ sein!“

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„Zu Ihnen spricht gerade ein Krawallpsychologe“, sagt Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer zum Publikum. Vor ihm sitzen einige Dutzend Erzieher und Lehrer im Saal, lachen. Aber Unrecht hat Spitzer nicht: Mit seinem offensiven Kampf gegen Computerspiele hat er sich einen Ruf in der Szene der elektronischen Spieler gemacht – und der ist nicht unbedingt postiv.
Doch Spitzer, das beweist sein Vortrag im Rahmen der CREATIVA Professional hier eindrucksvoll, ist vielschichtiger als er oft dargestellt wird. Und unheimlich mitreissend.

Vorn am Pult steht ein Mann, der mit viel Witz über die Hirnforschung, die Psyche, das Lernen und die Entwicklung des Gehirns spricht. Ein „graues“ Thema, dem Spitzer hier viele bunte Facetten verpasst. Man merkt: Er ist nicht nur trainiert, darüber zu reden – er liebt es auch, mit jeder Faser.

Sein Thema heute: „Wie lernen Kinder – Bedeutung der frühkindlichen Erziehung und Bildung“. Den Vortrag beginnt Spitzer mit einer Reise durch das Gehirn. „Sie haben kein Gehirn“, sagt er. „Sie SIND Ihr Gehirn!“ Nicht nur Erzieher und Lehrer, die sich zum von VBE und der CREATIVA Professional veranstalteten Vortrags eingefunden haben, lauschen gespannt – auch Messeteam und Journalisten. Spitzer nimmt einen mit auf seine Reise. Er mag in den Medien populärwissenschaftlich auftreten – hier jedoch weiß er zu überzeugen: „Das, was Sie heute schon als Lehrer und Erzieher tun, ist richtig. Das wissen Sie auch!“, sagt er im Hinblick auf Fingerspiele, Lieder-singen oder das Inszenieren kleiner Theaterstücke in Kitas und Schulen. Kreativität, so Spitzer, ist wichtig für die Entwicklung des Gehirns: „Man kann sagen, durch kreative Handlungen wie Filzen, Werken oder Malen wird auch der Geist ausgebildet und trainiert.“ Insbesondere in der frühen Erziehung sei das viel wichtiger als den Umgang mit Computern zu lernen. Und weil das Gehirn ein ganzes Leben lang neue Verknüpfungen von Nervenzellen erstelle, bleibe es auch wichtig sich geistig fit zu halten. Spitzer verbildlicht seine Forderung, sein Gehirn zu fordern: „Wenn man an Demenz erkrankt ist das ein langsamer geistiger Abstieg – da macht es jedoch einen Unterschied, ob Sie von einer Sand-Düne oder vom Mt. Everest absteigen.“ Kreativ zu sein, hilft dem Gehirn dabei sich Dinge besser zu merken und zu lernen.

„Fertigkeiten und Kompetenzen können nur durch Handlungen entstehen Deshalb ist es wichtig, Kinder möglichst früh auch manuell zu schulen“, sagt Spitzer im Pressegespräch vor seinem Vortrag. Und weiter: „Kreatives Gestalten in seiner Vielseitigkeit ist da natürlich eine Übung par excellence. Erfolgserlebnisse von Kindern in kreativen Handlungen lösen Glücksgefühle aus, die zu weiterem Lernen motivieren und das Hirn zu vermehrter Aktivität veranlassen.“ Spitzer motiviert – nicht nur Eltern, Erzieher und Lehrer -, Kinder vom Computer weg zu locken und kreativ werden zu lassen. So streitbar das für manchen Digital Native klingen mag – für Spitzer ist es eine Mission. „Echtes erleben lassen“, heisst die. Und zumindest die anwesenden Erzieher und CREATIVA Besucher dürften ihm Recht geben.

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Bild: Sabine Loos (Geschäftsführerin der Westfalenhallen Dortmund), Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Jutta Endrusch (stellv. Vorsitzende VBE NRW), v.l.n.r.