Stoffgewordene Ideen

Wenn aus Ideen Stoffe werden sollen, stehen viele vor einem Problem. Wie können Muster, die man sich selbst ausgedacht hat, oder das Lieblingsfoto auf ein Stück Stoff gebannt werden, um dieses zu verarbeiten? Die Industriedesignerin Katja Locke hatte genau das gleiche Problem – und dieses als Start in die Selbstständigkeit genutzt. Wir sprachen mit der 31-jährigen Berlinerin, die seit 1. Juni 2010 die Website stoffn.de betreibt.



Katja, welche Idee steckt hinter stoffn.de?

Do it yourself beziehungsweise Selbstgemachtes ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden und ich überlegte, was es in dem Bereich noch nicht gibt und vielen Menschen wirklich Spaß machen könnte. Da immer mehr die Liebe zum Nähen wieder entdecken, dachte ich: Selber nähen ist schön, aber einen eigenen Stoff zu gestalten wäre ein Traum! Also habe ich mich mit der Idee selbstständig gemacht.

Und wie funktioniert stoffn genau?

Man registriert sich und lädt sein Werk hoch. Das können Zeichnungen, eingescannte Motive oder Fotos sein. Daraus kann man dann online mit dem Mustermacher diverse Muster erzeugen, indem man wählt, ob das Muster versetzt gedruckt werden soll, ob man Bereiche spiegelt oder es kachelt. Das, was man dann dort sieht, entspricht auch dem gedruckten Stoff. Dann noch den passenden Stoff auswählen und fertig.

Welche Stoffe hast Du zur Auswahl?

Derzeit sind es vier. Der einfachste ist ein leichter Baumwollstoff. Dann gibt es einen festeren Polsterstoff, Denim, also das, was man von der Jeans kennt nur in Weiß und außerdem noch Viskose-Jersey. Das kennt man aus der Damenmode. Der Elasthan-Anteil macht den Stoff weich und bequem. Aus diesen Stoffen entstehen dann bei den Nutzern zu Hause die verschiedensten Dinge.

In welchen Größen kann man den Stoff bei Dir kaufen?

Die kleinste Größe ist der so genannte Probedruck, das sind 20 mal 20 Zentimeter, um erstmal zu sehen, wie der Druck wirkt. Die Größe eignet sich aber auch schon für Handytaschen. Dann gibt es den kleinen Meter. Das ist Stoff von einem Meter Länge und der halben Breite einer Stoffbahn. Laufende Meter gibt es natürlich auch, die dann in Schritten von zehn Zentimetern bestellt werden können. Neulich hat sich eine Kundin Gürtel aus ganz vielen verschiedenen solcher zehn Zentimeter großen Abschnitten genäht.

Aus wie vielen Mustern kann man inzwischen wählen?

Wir nähern uns derzeit dem 10.000. Upload. Das heißt aber nicht, dass man alle auch für seine eigenen Ideen verwenden kann. Viele Benutzer behalten ihre Muster für sich. Ungefähr 850 Designs sind veröffentlicht und einige Designer geben ihre Werke auch zum Druck frei und erlauben anderen Nutzern damit die Verwendung für eigene Kreationen.

Du veranstaltest auch Motivwettbewerbe.

Richtig, aktuell läuft der Wettbewerb für den Valentinstag. Bis Donnerstag 0:00 kann man noch eigene Designs zu dem Thema hochladen, danach beginnt die Abstimmung um das schönste Motiv per Mausklick. Der Benutzer, dessen Motiv als das Schönste ausgewählt wurde, bekommt zwei Meter seines Traumstoffs geschenkt. Das nächste Thema ist dann mal was für die Jungs, nämlich “Autos“.

Gibt es einen Trend bei Farben und Mustern? Welche Motive entwerfen Deine Benutzer am Meisten?

Der eigene Traumstoff sieht natürlich für jeden anders aus. Bedingt durch den Valentins-Wettbewerb entstehen gerade ganz viele Motive mit Herzen. Aber ich merke, dass das Kawaii ganz angesagt ist, also süße Kreaturen mit Kulleraugen, so ein bisschen in die Manga-Richtung gehend in Pastellfarben oder auch total knallig-bunt. Die sind sehr beliebt.

Wir danken Dir für das Gespräch und wünschen weiterhin viele kreative Nutzer!

Fotos: Was aus den Ideen wurde: Kreationen der Nutzer von stoffn.de